Neufassung in der Fortbildung bei hiba impulse: „Produktentwickler für ausgeschriebene Arbeitsmarktdienstleistungen“

Mit dem richtigen Produkt zur richtigen Zeit an der richtigen Straßenkreuzung zu sein, darin besteht die Kunst bei jedem Unternehmen in der Welt, seien es Bildungsanbieter, Zahnradfabriken, Lebensmittelproduzenten o.ä. Für die Produktentwicklung benötigt man Marktanalysten, Antizipiere für Entwicklungen, Ingenieure, die zudem im Organisationsmanagement des Unternehmens eine bestimmte Funktion ausüben, eine Hierarchieposition besetzen und eine Handlungsbefugnis benötigen.

Nach neuen Entwicklungen sieht sich Deutschland mit „sehr, sehr vielen“ Zuwanderern und Schutzsuchenden bis Jahresende 2015 konfrontiert. Das nationalstrategische Investitionsvorhaben „Integration“ bedeutet dabei nicht nur Unterbringung und Versorgung, es bedeutet insbesondere, so viele wie möglich von den Zuwanderern zu aktionsfähigen Mitgliedern der Zivilgesellschaft zu entwickeln, die in der Lage sein werden, auf der Grundlage geltenden Rechts auf eigenen materiellen Füßen zu stehen und in der Perspektive, insbesondere mit der bald beginnenden Verrentung der Baby-Boomer, verstärkt dazu beizutragen, dass Prosperität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im Land gesichert werden. Dies scheint angesichts der demografischen Entwicklung wohl wirklich alternativlos zu sein. Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind aufgefordert, sich die Fachkräfte, die gleichgesinnten Mitbürger und Nachbarn von morgen selbst zu schnitzen. Ein anderer wird es nicht machen und die Erwartung an viele Zuwanderer, von sich aus ohne Integrationsstrukturen allein vom Feldbett in der Notunterkunft zu agieren, wird sich wohl als Illusion erweisen.

In diesem Zusammenhang erweitert hiba impulse eigene Produktfelder, hier insbesondere die Qualifizierung zum Produktentwickler für ausgeschriebene Arbeitsmarktdienstleistungen bei Bildungsdienstleistern. Wichtige Fragen, die uns in unseren Überlegungen dabei beschäftigt haben, sind z.B.:

  • Der Charakter des heutigen Bildungsunternehmens wird sich verändern – „Vom Arbeitsmarkt- zum Integrationsdienstleister“
  • Mitarbeiter und ihre Rollen als Integrationsdienstleister im Unternehmen – vorhandene Kompetenzprofile und neue Kompetenzanforderungen in der Gegenüberstellung
  • Lebenslanges Lernen für Integrationsdienstleister – reicht die Berufs- und Lebenserfahrung oder bedarf es zusätzlicher Kompetenzfelder, und welcher?
  • Was müssen wir eigentlich wissen über unsere neue Zielgruppe? Warum kommen sie nach Europa? Müssen wir nicht auch mehr über den Islam wissen?
  • Mit „bewährten“ Werkzeugen, Instrumenten und Vorgehensweisen aus der Benachteiligtenförderung oder aus reha-Maßnahmen in die Integrationsdienstleistung? Ist der zu Integrierende überhaupt ein Benachteiligter oder am Ende mit einem Reha-Teilnehmer vergleichbar?
  • Organisationsentwicklung und Integrationsdienstleistung vor dem Hintergrund von Massendruck oder individuellem Kompetenz- und Talentemanagement?
  • „Fördern und Fordern“ in der Praxis der Integrationsdienstleistung – das Verhältnis zwischen Fremdbestimmung, Betreuung, Eigenverantwortung, Rahmenbedingungen, Leitplanken und eigenen Aktionsräumen – Probleme für Betroffene lösen, Helfen bei der Problemlösung, Unterstützen bei der Problemlösung, Beraten bei der Problemlösung, ggf. keine oder eine spätere Problemlösung?
  • Wie stellt man Kompetenzen eines Zuwandernden überhaupt fest?
  • Sprache, Kultur und Staatenkunde – neue (IT-gestützte) Lehr- und Lernmethoden in der Integrationsarbeit – Vorlesung, I-Phone, PC-Kabinett? Medienaffinität bei der Zielgruppe als Katalysator für Integrationserfolg?
  • Neue Qualitäten in der Netzwerkarbeit zu Behörden und zu Unternehmen – alles wie immer oder doch anders?
  • Was sind Qualitätskriterien erfolgreicher Integrationsarbeit vor Ort und wie richtet sich das QMS darauf aus?

Die List offener Fragen ist lang. Produktentwicklung ist erfahrungsgemäß teuer. Manch einer mag deswegen der Versuchung nicht widerstehen, „Bewährtes“ aus der Schublade zu ziehen, was aber vielfach doch nur zu „Hausbackenem“ verkommen ist. Wenn weniger für Aktivierungsmaßnahmen bereitgestellt würde und dafür mehr für Integrationsdienstleistung für Zuwandernde, „nehmen wir unser Zeug und machen es eben mit denen!“, damit leer stehende Bildungs- und Ausbildungskapazitäten wieder besser ausgelastet werden können und so z.B. langjährige Ausbilder weiter einen Job haben. Teilnehmerstundensätze sind vielerorts auch viel zu niedrig. Aber manchmal entsteht auch die nicht immer ganz unberechtigte These, dass gelieferte Qualität auch nicht höher läge, wenn die TN-Stundensätze angehoben worden wären. Man baut also auf das aufopferungsvolle Engagement aller handelnden Akteure, denen in der Quintessenz aber doch einige notwendige Qualifikationen fehlen.

In einem vorherigen Artikel zum Kompetenz- und Talentemanagement nach niederländischem Vorbild haben wir bereits von den „ungeschliffenen Edelsteinen“ geschrieben, die wir in Deutschland aus ureigenem Interesse zu vollem Glanz bringen sollten. Dies wird aber nicht mit Massenveranstaltungen gehen, sondern mit individuellen Zuschnitten und Angeboten. Sonst wird der Einzelne untergehen und die Integration als nationalstaatliche Aufgabe wird nicht ausreichend gelingen.

So generieren wir bei hiba impulse den neuen „Produktentwickler für ausgeschriebene Arbeitsmarkt-, Integrations- sowie  unternehmensnahe Dienstleistungen“. Er ist eine Funktions- und Kompetenzeinheit im Organisationsgefüge des Bildungsanbieters von heute, die als Knotenpunkt zum einen wesentliche Abläufe im Unternehmen koordiniert, zum anderen aber Kompetenzen, Wissen und Netzwerke im Unternehmen zusammenbindet und nach außen vertritt, um Kunden und Nutznießer von morgen bei der Umsetzung von Integrationsdienstleistungen zufrieden zu stellen und Nutzwerte für alle Beteiligten zu produzieren.

Ein erster neuer Kurs „Produktentwicklung“ beginnt in diesen Tagen in sechs Sequenzen in Norddeutschland, wo mehrere Bildungsanbieter zusammen arbeiten und Kompetenz- sowie Handlungsfelder untereinander aufgeteilt haben. Die hiba impulse gmbh wird in den nächsten Tagen ein prinzipielles Rahmencurriculum vorstellen, das wir vorwiegend für Inhouse-Interessenten und örtliche Netzwerkstrukturen bereithalten. Entsprechend vor Ort vorzufindender Bedarfslagen stellen wir im Dialog mit Ihnen das Angebot an Fortbildung so zusammen, wie es gewünscht wird und erforderlich erscheint.

Weitere Kurse werden folgen. Angesichts des Ansturms von weiteren Zureisenden und ggf. auch noch ihren Familien, der sich auch 2016 fortsetzen wird, und der Dimension der nationalstaatlichen Aufgabe wird es eben nicht nur auf Masse ankommen, sondern auf ein auf das Individuum zugeschnittene, zufriedenstellende Integrationsergebnis. Nur das kann Maßstab des heutigen Handelns sein, denn es ist durchaus ein Unterschied, ob jemandem Schutz gewährt wurde, jemand ein Dach über dem Kopf hat und versorgt wurde, oder ob es jemandem darüber hinaus weitergehend gelungen sein wird, als Neubürger dieses Landes selbständig und eigenverantwortlich auf der Basis hierzulande geltender Werte und Bestimmungen ein neues Leben zu gestalten.

Oliver Jentsch

Nicole Sziedat

Berlin, Oktober 2015



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